MBale Tigers Uganda

Tischtennis gegen Armut in Uganda

In Mbale, Uganda, setzt sich der Tischtennisclub der „Mbale Tigers“ gegen Armut und für die Verbreitung des Tischtennissports in Uganda ein. Die Tischtennisabteilung des SV Ettenkirch und TTV Beratzhausen unterstützten dieses Programm nun durch eine großzügige Spende an die rund 150 Spieler im Alter zwischen 6-18 Jahren.

Als Claudius Baumann sich auf dem Gelände der „Manafwa Secondary School“ einem kleinen, baufälligen Schuppen nähert, kann er es kaum glauben, als das für den Tischtennisport typische „Klacken“ der Zelluloidbälle immer deutlicher wird.

Der aktive Spieler des SVE, der seit einem halben Jahr in Ostafrika für eine Menschenrechtsorganisation arbeitet, ist mit den Spenden aus Ettenkirch in eine der größten Städte Ugandas gekommen, Mbale, im Western des Landes unweit der kenianischen Grenze und geradezu malerisch am Fuße des „Mount Elgon“ gelegen.

Diese Landschaft täuscht allerdings kaum über die gravierenden Probleme der Menschen in Mbale hinweg. Die Folgen von extremer Armut, Kriminalität und die weite Verbreitung von HIV sowie die Slumbildung sind nicht zu übersehen. Gerade Kinder und Jugendliche leiden am meisten unter diesen misslichen Umständen. Mbale gilt als eine der ärmsten Städte Ugandas mit einer besonders hohen Anzahl von Aidswaisen und Straßenkindern.

Doch was kann nun ausgerechnet der - teilweise als „Ping-Pong“ belächelte - Tischtennissport gegen diese Zustände ausrichten?

Um diese Frage zu beantworten muss man etwa 10 Jahre zurückblicken, als der ehemalige Tischtennisspieler Matsyetsye Emmanuel im Jahr 2003 die „Mbale Tigers“ ins Leben rief.

Seine Idee war es, den Tischtennissport in Uganda zu verbreiten und zu professionalisieren, dabei aber auch benachteiligte Kinder und Jugendliche zu unterstützen und ihnen einen Ausweg aus Armut und Kriminalität zu eröffnen. Mit der Unterstützung der schwedischen Nicht-Regierungsorganisation TWIGA gründete er schließlich die „Mbale Tigers“ und machte diese im Laufe der Jahre zu einem der dominierenden Tischtennisvereine in Uganda.
Entscheidend war unter anderem, dass ein ehemaliger ugandischer Nationalspieler als hauptamtlicher Trainer gewonnen wurde, der in Deutschland eine Ausbildung zum Trainier mit B-Lizenz absolvierte. Inzwischen hat der Tischtennisclub eine Reihe von beeindruckenden Erfolgen zu verzeichnen. Neben zahlreichen nationalen Titeln in sämtlichen Altersklassen stehen selbst einige Podiumsplätze bei afrikanischen Meisterschaften sowie Teilnahmen an Commonwealth Meisterschaften in Australien und Indien zu Buche. Außerdem wird eine körperlich behinderte Spielerin Uganda bei den Paralympics in London vertreten.

Der Ansatz der Clubleitung beschränkt sich allerdings nicht nur auf den Sport. Vielmehr sollen die besonders benachteiligten Kinder und Jugendlichen aus den Slums auf vielfältige Weise unterstützt und gefördert werden. 

Die gewonnenen Preisgelder bleiben zu 100% bei den Spielern. Diese bemerkenswerten Erfolge ebneten inzwischen 13 Sportlerinnen und Sportlern durch den Erhalt von Stipendien an verschiedenen Universitäten ein Ausweg aus der Armut, welcher ohne das Tischtennis aufgrund der hohen Kosten für ein Studium für diese Jugendlichen unmöglich gewesen wäre. Bei diesen Studenten handelt es sich erfreulicherweise hauptsächlich um junge Frauen, welche es in der von traditionellen Vorstellungen geprägten ugandischen Gesellschaft aufgrund von mangelnder Gleichbehandlung, der weiten Verbreitung von häuslicher Gewalt und fehlender Familienplanung besonders schwer haben.

Weiterhin werden die Sportler in Zusammenarbeit mit anderen Nichtregierungsorganisationen auf verschiedene Weise gefördert und geschult. So werden beispielsweise Aufklärungsarbeit im Bereich HIV/Aids geleistet, Themen wie Drogenmissbrauch und Kriminalität thematisiert und Seminare über Gesundheit oder Umweltschutz gehalten.

Durch das professionelle Training sollen außerdem soziale Verhaltensweisen wie Teamgeist, Disziplin und Ehrgeiz gefördert werden.

Besonderes bemerkenswert sind die erzielten Erfolge sowohl in sportlicher als auch sozialer Hinsicht, wenn man einen Blick auf die Rahmenbedingungen wirft, mit welchem Matsyetsye und sein Team seit der Gründung der „Tigers“ zu kämpfen haben.
So ist der Club auf Spendengelder und Sachspenden angewiesen. Insbesondere die nötigen Materialien für die ständig wachsende Anzahl an Kindern, die zu den Tischtennisplatten strömen, lassen sich in Uganda nicht auftreiben. Da das Geld für die Miete einer angemessen Halle fehlte und von öffentlicher Seite mit keiner Unterstützung zu rechnen ist, teilen sich nun in der „Manafwa Secondary School“ in Mbale über 100 Kinder drei Tische, nachdem man die ursprüngliche Spielstätte verlassen musste.

Als Claudius Baumann über Umwege von diesem Programm erfuhr und begeistert von der Idee einen Kontakt zu Matsyetsye herstellen konnte, informierte er seine ehemaligen Tischtenniskollegen. Insbesondere der SV Ettenkirch zeigte sich sehr interessiert und begann innerhalb des Vereins und bei befreundeten Spielern für die „Mbale Tigers“ Werbung zu machen.
Das Ergebnis dieser spontanen, zweiwöchigen Sammelaktion übertraf schließlich alle Erwartungen. So kamen letztlich 20 Netze, ca. 300 Beläge, 50 Hölzer und 30 Komplettschläger zusammen. Außerdem konnten zahlreiche sowohl gebrauchte als auch neuwertige Materialien wie Schlägertaschen, Bälle, Trikots und vieles mehr gesammelt werden.

Als Claudius Baumann Anfang Juni Besuch von seiner Familie erhielt und diese das Material mitbrachte waren zwei große Reisekoffer nicht ausreichend, um alle gesammelten Materialien zu transportieren, so erfolgreich verlief die vom Abteilungsleiter des SVE, Klaus Baumann,  angetriebene Aktion.

Bei der Übergabe der Materialien in Mbale zeigten sich sowohl die Clubleitung, das Trainierteam als auch vor allem die Spieler der „Tiger“ überwältigt und überglücklich. Matsyetsye betonte hierbei, dass diese Spende den Club einen großen Schritt weiterbringen und die Möglichkeiten,  sich gegen die Armut und für den Tischtennissport einzusetzen, erheblich verbessern würde.

Eines wurde Claudius Baumann und seiner Familie während ihres Besuches in Mbale deutlich: Betrachtet man das große Potential der Spieler in Kombination mit dem gewaltigen Ehrgeiz, mit dem hier trotz widrigster Bedingungen Tischtennis gespielt wird, so kann man sicher sein, dass der Traum der Kinder vom Sprung aus der Armut und den Slums Mbales in Richtung einer vielversprechenden Zukunft, gefördert durch den Tischtennissport, bei entsprechender Unterstützung wahr werden kann.

Die Mbale Tigers bedanken sich ausdrücklich und vielmals für die großzügige Unterstützung aller Beteiligten, insbesondere beim SV Ettenkirch, Hertha BSC Berlin, Carsten Blaschek und Eric Osbar (TT Shop Blaschek), Patrick Strahl (TT Contra Berlin), Johannes Ruf (Ochsenhausen), TT Shop Heinz Röhl, Markus Weber (Ettenkirch) und allen anderen hier ungenannten Helfern.

Für weitere Informationen zu den Mbale Tigers sowie den Möglichkeiten, diese zu unterstützen steht Ihnen Claudius Baumann sehr gerne zur Verfügung:
Zahlreiche Bilder des Tischtennisclubs und der Übergabe der Spenden finden Sie unter http://claudiusontheway.blogspot.com/

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(Copyright: Texte und Bilder von Claudius Baumann)